Am 11. Februar 1932 wurde im Auftrag der Herren W. Fromm, J. Schmitt und Reinhard Dienst durch „Ortsschelle“ (öffentlicher Ausrufer) in Ockstadt bekannt gegeben: „ Alle Freunde, welche Interesse an einem Geflügel- und Kleintierzuchtverein haben, werden auf Samstag, den 13.2.1932 bei Gastwirt Henritzi eingeladen. Die Gründung eines Kleintierzuchtvereins lag schon 1931 in der Luft, denn bei der ersten Zusammenkunft am 13.2.1932, dem Gründungsdatum, fanden sich bereits 19 Interessierte ein. Bei dieser ersten Zusammenkunft waren zwei bekannte Züchter aus Ober-Rosbach eingeladen, die über Kleintierhaltung und Zucht berieten. Der erste Vorstand wurde per Akklamation gewählt. Es wurden ein monatlicher Beitrag von 25 Pfennig sowie ein Eintrittsgeld von 50 Pfennig für die Gründungsmitglieder und 1 Mark für alle später Eintretenden festgelegt.
Der Zweck des Vereins war die Erhaltung, Förderung, Pflege und artgerechte Haltung von Enten, Gänse, Hühner, Tauben und Kaninchen. Zuchttiere und Bruteier wurden durch bekannte und erfahrene Züchter aus dem Kreis für die Ockstädter Züchter besorgt. Die Züchter tauschten sich über ihre neuen Erfahrungen, welche ihnen von auswärtigen Züchtern empfohlen wurden, gegenseitig aus. Um die gezüchteten Rassen näher kennenzulernen, wurden in den Monatsversammlungen durch erfahrene Preisrichter Tierbesprechungen durchgeführt. Die ersten Ausstellungskäfige wurden gekauft, um die gezüchteten Tiere auch der Öffentlichkeit zu präsentieren. So fand dann auch am 6.11.1932 die erste Lokalgeflügelschau statt, bei der 89 große Hühner, 20 Zwerghühner, 22 Tauben und 4 Tiere beim Wassergeflügel gemeldet und bewertet wurden. Das Standgeld lag bei 80 Pfennig pro Tier. Eine Tombola wurde durchgeführt, um die Vereinskasse aufzubessern. So brachte die Lokalgeflügelschau einen Gewinn von 88,63 Mark.

Nach 1934 bis zum Kriegsende spielte sich das Vereinsleben im Wesentlichen nur noch in Familienabenden oder Ausflügen ab. Der "Germaniasaal", gerade übernommen vom späteren Ehrenmitglied Albert Kipp und seiner Gattin Mariechen, wurde zum Vereinslokal, in dem im Herbst 1946 die erste Nachkriegsschau stattfand. Nach der Währungsreform stabilisierte und normalisierte sich das Vereinsleben, vor allem die Jugendarbeit konnte wieder verstärkt werden. Im Laufe der Jahre wuchs die Mitgliederzahl auf den heutigen Stand von 140 an, wobei die Zahl der Aktiven bei zur Zeit 15 Züchter/innen liegt.

Durch die Initiative des damaligen 1. Vorsitzenden Heinz Hermann werden seit 1971 alle Küken gegen die Mareksche Lähmung geimpft. Ebenso ist die vorgeschriebene Impfung aller Hühner und Tauben gegen die Hühnerpest unerlässlich. Seit den 70er Jahren präsentieren die Züchter ihre Tiere auch auf überregionalen Geflügelschauen, wie z. B. der Nationalen Bundessieger-, Deutsche Tauben-, Zwerghuhn- oder die Landesverbandschauen, die in den Messehallen in Leipzig, Dortmund, Hannover, Nürnberg, Frankfurt, Erfurt, Ulm oder Alsfeld stattfinden. Hier sind besonders die Züchter Heinz Hermann, Josef Tiefenstädter, Bernhard Ruhrig, Benno Klein, Hermann Schuck, Walter Bender und Thomas Müller sowie die Jungzüchter Heike Klein, Hans-Peter Hermann, Janina Hiller, Heiko Schuck und Marina Müller zu erwähnen, die unzählige Erfolge mit ihren gezüchteten Rassen erreicht haben. Besonders stolz ist der Verein auf die errungenen Hessen-, Deutsche Meister- und Europameistertitel durch die genannten Zuchtfreunde.

Jeden 1. Freitag im Monat finden Versammlungen in der Bauernstube des Bürgerhauses statt, die auch durch Fachvorträge oder Tierbesprechungen aufgelockert werden. Grillabende und Tagesausflüge sind jährliche traditionelle Vereinsaktivitäten. Immer wieder konnten Jugendliche für unser Hobby geworben werden. Bei den Treffen der Jungzüchter ist nicht nur die Rassegeflügelzucht ein Thema, es werden auch Bastelnachmittage und andere Freizeitaktivitäten durchgeführt.
Ende Dezember/Anfang Januar findet traditionell die Lokalschau mit ca. 210 Tieren im katholischen Jugendheim statt. Eine große Tombola sowie das berühmte Ockstädter Torten- und Kuchenbüffet lädt die Besucher zum Verweilen und zum geselligen Kaffeetrinken ein. Beim traditionellen Züchterabend feiern über 100 Mitglieder, Züchterfrauen, Züchter und Freunde seit 15 Jahren im Bürgerhaus mit Ehrungen, Tanz und einer großen Tombola.